Die Kriterien, welche letztlich zur Heilung des
Menschen 
führen, können im Grunde genommen nicht streng auseinandergenommen werden: ob Heil werden durch sportliche
Aktivität 
, durch ein gut gewähltes pharmazeutisches Mittel, oder durch die Anwendung eines heilenden Worts stattfinden kann, ist nicht nur unbedingt eine Folge des Mittels, sondern Folge der ihm korrespondierenden Resonanz beim Betroffenen selbst. Wenn ich eine Aspirin-Tablette zu mir nehme und dadurch den Kopfschmerz in mir beseitige, so setzte ich in meinem vegetativen Chemismus ein Fehlendes, oder ein Antagonisierendes voraus, das durch die Arznei ergänzt oder beseitigt wird. Aber diese Voraussetzung muss aktuell vorhanden sein. Stimmt die dafür geeignete Situation in mir nicht mehr mit der Tablette, mit der gutgemeinten Jogging-Stunde, oder mit der Wortwahl meines therapierenden Psychologen überein, so versagen in mir jene Faktoren, die zur Selbstheilung führen können. Die Aktualität meiner vegetativen Lage wird bestimmt durch den jeweiligen funktionell konfigurierenden Verschaltungsmodus zwischen Soma und Psyche, der zur besagten Stunde, exakt zu jenem Augenblick die Synchronizität zwischen beiden Faktoren, also zwischen dem inneren Terrain, Milieu und dem äußeren Reiz, aufeinander abzustimmen weiss.
Dieses dritte Kriterium, das wir simpel mit dem Ausdruck "rechtes Timing"
beschreiben können, ist meines Erachtens, das wichtigste von allen, weil
es ein Ganzes an sich meint: die körperliche und die psychische Situation als eine vegetative
Einheit 
.
Zur Verdeutlichung des Obigen, möchte ich gerne hier ein lang vergangenes Beispiel aus meiner Praxis anführen: Der Patient hatte eine hohe Position in der Stadtverwaltung inne, fühlte sich seit geraumer Zeit sehr erschöpft und kam wegen starken Rückenschmerzen in der Lendenregion zu mir.
Wir besprachen die Ursachen seiner Situation; er meinte die Sache mit dem Kreuz wäre nach seiner neulichen Gartenarbeit richtig zum Ausbruch gekommen. Seinen Worten nach, wäre zwar die hohe Verantwortung in seinem Beruf die Hauptursache für sein derzeitiges Leiden, aber er sähe keine Möglichkeit dies zu verändern. Ich untersuchte ihn und stellte eine deutliche Bewegungseinschränkung im unteren Lendenwirbelbereich fest.
Bei der Behandlung, obwohl sie von mir sanft durchgeführte wurde, kam ein hörbares Knacken-Geräusch in jener Region zustande, der ihn zutiefst überraschte.
Die Reaktion auf dieses sich spontan einstellende Geräusch löste in ihm
ein heftiges Lachen aus, das seinen Körper lang erschütterte und ihm Tränen in die Augen trieb. Die Situation brachte offenbar seine lang innere aufgestaute Spannung endlich zum
Fließen 
.
Nach dem Lachanfall stand er auf und sprach zu mir: "Nun, jetzt bin ich geheilt, und ich weiß, was mir fehlte: Mein Humor."
Was diese einfache Anekdote aus meiner Praxis interessant macht, ist das glücklich koinzidierende Zusammentreffen von äußerer therapeutischen Reizinduktion und der inneren aufgeladenen Spannungssituation beim Patienten, die hier regelrecht zum Ausbruch gebracht werden konnte.
Das Erreichen, das beide Faktoren miteinander zur Synchronisierung gebracht werden, stellt die hohe Kunst der Behandlung dar. Sie stellt eine dritte Größe in dem Heilungsvorgang dar, die von ihrer Bedeutung her, nicht unterschätzt werden darf.
Der Jungsche Begriff der Synchronizität geht von seiner Definition und Komplexität her natürlich weit darüber hinaus, aber sie findet auch hier, im Kleinen, im Unvorhergesehenen, Tag für Tag, statt. Was mir persönlich sehr hilft um eine solche Situation in meiner täglichen
Arbeit 
zu fördern, ist das, was ich als "kleine Einstimmungsübung zum Alltag" bezeichnen möchte: Man setzte sich entspannt hin und schließe für einen kurzen Augenblick die Augen. Dann rufe man ein
Bild 
in sich hervor, das die
Einheit 
aller Umstände, das Verwobensein allen Lebens zur Er-innerung bringt. Ich und Du. Du und Ich, wir gehören beide zum Großen, zum Zusammenhängenden. Alles ist miteinander verwoben. Das Rufen nach dieser
Einheit 
kann durch das
Wahrnehmen 
unserer Atembewegung verstärkt werden. Wir forcieren den
Atem 
aber nicht, sondern lassen ihn kommen und gehen, so wie er will. Unser
Atem 
ist die große
Brücke 
zum Lebendigen in uns und außerhalb von uns herum.
So klein und kurz diese Einstimmungsübung auch stattfinden mag, so segensreich kann ihr Wirken in unserem Alltag werden. So begünstigen wir das Aufkeimen von Situationen in unserem
Leben 
, die dies wahrhaft zu spiegeln und uns dadurch zu beglücken vermögen.
liebe 
Grüße
vimararo