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Alt 05.07.2008, 19:57   #1
AdminT4M
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Standard Schnittstellen zwischen Psyche, Molekularbiologie und Bewegung

Manche seelisch erlebten Leidenszustände können sowohl mit Psychotherapie als auch mit Pharmazeutika oder mit geeigneter körperlicher Bewegung gemildert oder beseitigt werden. Alles scheint mit Allem in einem geschlossenen Regelkreis zusammenzuhängen. Wo und womit immer man intervenierend eingreift, beeinflusst man oft alle Komponenten der Person.

Welche Kriterien können Indikatoren dafür sein, ob in einem bestimmten Fall der "Redekur", der Chemie oder dem Sport der Vortritt gelassen werden soll? Was passiert, wenn alle drei Komponenten eingesetzt werden? Hilft mehr tatsächlich mehr?

Gruß, AdminT4M
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Alt 02.12.2008, 07:14   #2
vimararo
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Beiträge: 26
Standard Die kleine Einstimmungsübung

Die Kriterien, welche letztlich zur Heilung des Menschen führen, können im Grunde genommen nicht streng auseinandergenommen werden: ob Heil werden durch sportliche Aktivität , durch ein gut gewähltes pharmazeutisches Mittel, oder durch die Anwendung eines heilenden Worts stattfinden kann, ist nicht nur unbedingt eine Folge des Mittels, sondern Folge der ihm korrespondierenden Resonanz beim Betroffenen selbst. Wenn ich eine Aspirin-Tablette zu mir nehme und dadurch den Kopfschmerz in mir beseitige, so setzte ich in meinem vegetativen Chemismus ein Fehlendes, oder ein Antagonisierendes voraus, das durch die Arznei ergänzt oder beseitigt wird. Aber diese Voraussetzung muss aktuell vorhanden sein. Stimmt die dafür geeignete Situation in mir nicht mehr mit der Tablette, mit der gutgemeinten Jogging-Stunde, oder mit der Wortwahl meines therapierenden Psychologen überein, so versagen in mir jene Faktoren, die zur Selbstheilung führen können. Die Aktualität meiner vegetativen Lage wird bestimmt durch den jeweiligen funktionell konfigurierenden Verschaltungsmodus zwischen Soma und Psyche, der zur besagten Stunde, exakt zu jenem Augenblick die Synchronizität zwischen beiden Faktoren, also zwischen dem inneren Terrain, Milieu und dem äußeren Reiz, aufeinander abzustimmen weiss.
Dieses dritte Kriterium, das wir simpel mit dem Ausdruck "rechtes Timing"
beschreiben können, ist meines Erachtens, das wichtigste von allen, weil
es ein Ganzes an sich meint: die körperliche und die psychische Situation als eine vegetative Einheit .
Zur Verdeutlichung des Obigen, möchte ich gerne hier ein lang vergangenes Beispiel aus meiner Praxis anführen: Der Patient hatte eine hohe Position in der Stadtverwaltung inne, fühlte sich seit geraumer Zeit sehr erschöpft und kam wegen starken Rückenschmerzen in der Lendenregion zu mir.
Wir besprachen die Ursachen seiner Situation; er meinte die Sache mit dem Kreuz wäre nach seiner neulichen Gartenarbeit richtig zum Ausbruch gekommen. Seinen Worten nach, wäre zwar die hohe Verantwortung in seinem Beruf die Hauptursache für sein derzeitiges Leiden, aber er sähe keine Möglichkeit dies zu verändern. Ich untersuchte ihn und stellte eine deutliche Bewegungseinschränkung im unteren Lendenwirbelbereich fest.
Bei der Behandlung, obwohl sie von mir sanft durchgeführte wurde, kam ein hörbares Knacken-Geräusch in jener Region zustande, der ihn zutiefst überraschte.
Die Reaktion auf dieses sich spontan einstellende Geräusch löste in ihm
ein heftiges Lachen aus, das seinen Körper lang erschütterte und ihm Tränen in die Augen trieb. Die Situation brachte offenbar seine lang innere aufgestaute Spannung endlich zum Fließen .
Nach dem Lachanfall stand er auf und sprach zu mir: "Nun, jetzt bin ich geheilt, und ich weiß, was mir fehlte: Mein Humor."
Was diese einfache Anekdote aus meiner Praxis interessant macht, ist das glücklich koinzidierende Zusammentreffen von äußerer therapeutischen Reizinduktion und der inneren aufgeladenen Spannungssituation beim Patienten, die hier regelrecht zum Ausbruch gebracht werden konnte.
Das Erreichen, das beide Faktoren miteinander zur Synchronisierung gebracht werden, stellt die hohe Kunst der Behandlung dar. Sie stellt eine dritte Größe in dem Heilungsvorgang dar, die von ihrer Bedeutung her, nicht unterschätzt werden darf.
Der Jungsche Begriff der Synchronizität geht von seiner Definition und Komplexität her natürlich weit darüber hinaus, aber sie findet auch hier, im Kleinen, im Unvorhergesehenen, Tag für Tag, statt. Was mir persönlich sehr hilft um eine solche Situation in meiner täglichen Arbeit zu fördern, ist das, was ich als "kleine Einstimmungsübung zum Alltag" bezeichnen möchte: Man setzte sich entspannt hin und schließe für einen kurzen Augenblick die Augen. Dann rufe man ein Bild in sich hervor, das die Einheit aller Umstände, das Verwobensein allen Lebens zur Er-innerung bringt. Ich und Du. Du und Ich, wir gehören beide zum Großen, zum Zusammenhängenden. Alles ist miteinander verwoben. Das Rufen nach dieser Einheit kann durch das Wahrnehmen unserer Atembewegung verstärkt werden. Wir forcieren den Atem aber nicht, sondern lassen ihn kommen und gehen, so wie er will. Unser Atem ist die große Brücke zum Lebendigen in uns und außerhalb von uns herum.
So klein und kurz diese Einstimmungsübung auch stattfinden mag, so segensreich kann ihr Wirken in unserem Alltag werden. So begünstigen wir das Aufkeimen von Situationen in unserem Leben , die dies wahrhaft zu spiegeln und uns dadurch zu beglücken vermögen.

liebe Grüße

vimararo

Geändert von vimararo (02.12.2008 um 07:18 Uhr)
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Alt 28.09.2009, 18:03   #3
Solveig
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Zitat:
Zitat von AdminT4M Beitrag anzeigen
Manche seelisch erlebten Leidenszustände können sowohl mit Psychotherapie als auch mit Pharmazeutika oder mit geeigneter körperlicher Bewegung gemildert oder beseitigt werden. Alles scheint mit Allem in einem geschlossenen Regelkreis zusammenzuhängen. Wo und womit immer man intervenierend eingreift, beeinflusst man oft alle Komponenten der Person.

Welche Kriterien können Indikatoren dafür sein, ob in einem bestimmten Fall der "Redekur", der Chemie oder dem Sport der Vortritt gelassen werden soll? Was passiert, wenn alle drei Komponenten eingesetzt werden? Hilft mehr tatsächlich mehr?

Gruß, AdminT4M
Wir Menschen summieren uns ja aus Körper, Seele und Geist - also ist es verständlich verschiedene Möglichkeiten in Betracht zu ziehen, alle drei wieder in Einklang zu bringen - das verstehe ich als Laie unter "Gesundheit".
Solveig ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.09.2009, 20:19   #4
eurydike
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Lächeln

Hallo Solveig und Vimararo!
Ich hatte auch mal schlimmes Rückenweh (Ueberarbeitung im Haushalt und seelischen stress). Ich musste über den Knacks und den Humor lachen. Bei mir war es die Wut, die mir schlussendlich geholfen hat, nachdem Medikamente nur kurzfristig halfen. Die Wut brachte mich endlich dazu, mir nicht immer noch mehr aufbürden zu lassen, sondern die wilden Kinder zu verleihen und mir 2 Wochen Ferien bei einer Freundin zu erlauben, auch wenn ich von anderer Seite als Rabenmutter angesehen wurde. Das Resultat war, die Rückenschmerzen waren weg, der Arzt staunte und die kleinen Kinder waren stubenrein geworden, nachdem sie bei den Kindern der Gasteltern gesehen hatten, dass die auf das Töpfchen gingen. Die Erleichterung für mich war gross und ich habe mich nie mehr so überfordert.
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Alt 29.09.2009, 23:12   #5
marimar
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Zitat:
Zitat von Solveig Beitrag anzeigen
Wir Menschen summieren uns ja aus Körper, Seele und Geist - also ist es verständlich verschiedene Möglichkeiten in Betracht zu ziehen, alle drei wieder in Einklang zu bringen - das verstehe ich als Laie unter "Gesundheit".
Ja, aber ist es nicht erstaunlich, dass offenbar diese drei Elemente gleichwertig und so eng miteinander verflochten sind, so dass man mit der Heilung sowohl im Körper, als auch in der Seele (die übersetze ich mir jetzt mal mit dem Unbewussten) und auch im Geist (hier verstanden als Bewusstsein) ansetzen kann?

Liebe Grüße
marimar
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Alt 29.09.2009, 23:15   #6
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Zitat:
Zitat von eurydike Beitrag anzeigen
Hallo Solveig und Vimararo!
Ich hatte auch mal schlimmes Rückenweh (Ueberarbeitung im Haushalt und seelischen stress). Ich musste über den Knacks und den Humor lachen. Bei mir war es die Wut, die mir schlussendlich geholfen hat, nachdem Medikamente nur kurzfristig halfen. Die Wut brachte mich endlich dazu, mir nicht immer noch mehr aufbürden zu lassen, sondern die wilden Kinder zu verleihen und mir 2 Wochen Ferien bei einer Freundin zu erlauben, auch wenn ich von anderer Seite als Rabenmutter angesehen wurde. Das Resultat war, die Rückenschmerzen waren weg, der Arzt staunte und die kleinen Kinder waren stubenrein geworden, nachdem sie bei den Kindern der Gasteltern gesehen hatten, dass die auf das Töpfchen gingen. Die Erleichterung für mich war gross und ich habe mich nie mehr so überfordert.
Ich würde sagen, eine instinktiv richtig geleitete Selbstheilung! Wut hat offenbar sehr wertvolle Anteile in sich, sofern man sich von ihr leiten lässt und den wutauslösenden Zustand radikal beseitigt. Genau damit zeigt man sich ja, dass man die eigenen Bedürfnisse endlich genau so ernst nimmt, wie die der Umwelt.

LG
marimar
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Alt 30.09.2009, 16:52   #7
Solveig
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Zitat:
Zitat von marimar Beitrag anzeigen
Ja, aber ist es nicht erstaunlich, dass offenbar diese drei Elemente gleichwertig und so eng miteinander verflochten sind, so dass man mit der Heilung sowohl im Körper, als auch in der Seele (die übersetze ich mir jetzt mal mit dem Unbewussten) und auch im Geist (hier verstanden als Bewusstsein) ansetzen kann?

Liebe Grüße
marimar
Wieso eigentlich? Wenn eins ohne das andere nicht existieren kann - bzw wenn eins krank ist die anderen Teile ebenfalls erkranken - dann ist es eigentlich logisch dass ich mit verschiedenen "Heilmethoden" arbeiten kann.

Eine Kombination aller drei ist natürlich das beste, die "richtige" Methode kann ich nur anwenden, wenn ich den Auslöser kenne, also welcher Teil des Trios zuerst erkrankt ist. Hier müsste man ansetzen, nur ist der nicht immer bekannt.

@eurydike, super, du warst so mutig auf deinen Körper zu hören, aber vielen fehlt das Verständnis für seine Anliegen. Andere werfen ein Schmerzmittel ein und wundern sich weshalb die Schmerzen immer wieder kommen.
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Alt 01.10.2009, 21:44   #8
marimar
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Zitat:
Zitat von Solveig Beitrag anzeigen
Wieso eigentlich? Wenn eins ohne das andere nicht existieren kann - bzw wenn eins krank ist die anderen Teile ebenfalls erkranken - dann ist es eigentlich logisch dass ich mit verschiedenen "Heilmethoden" arbeiten kann.[...]
Hallo Solveig,

ich weiß nicht, wie es heute hinter den Kulissen der jeweiligen Fachleute aussieht, aber es ist ja noch nicht lange her, dass sich die "organischen" (materiellen) Spezialisten, die auf chemische Interventionen setzen und die "seelischen" (immateriellen) Experten heftig darüber stritten, ob bestimmte Krankheitsbilder besser mit Medikamenten oder besser mit Psychotherapie behandelt werden sollten. Es scheint mir zwar so, als wären beide heute dem jeweils anderen Verfahren nicht mehr so abgeneigt, aber ich bin mir nicht sicher, ob diesem "Braten" nachhaltig zu trauen ist.

"Logisch" ist gut. Dazu gehört ja zunächst, dass man auch die Seele/Psyche bzw. das Unbewusste als zwar immateriell aber doch real existent und autonom wirkmächtig betrachtet. Gegenüber denjenigen, die noch vor gar nicht langer Zeit, die Seele mitsamt Unbewusstem und Bewusstsein als
...nichts anderes als elektrochemische Reaktionen...
bezeichneten, bin ich auch heute noch misstrauisch. Ich kann nicht wirklich glauben, dass diese "Experten für biologische Hardware" heute schon so weit sind, zu begreifen und zu akzeptieren, dass diese meß- und beobachtbare Elektrochemie im Körper (nur) ein Koppelglied zwischen der immateriellen Software "Seele" und der materiellen Hardware "Körper" ist. Nur deshalb finde ich es erstaunlich, dass heute tatsächlich schon einige (wenige?) beides als zwar völlig unterschiedliche aber gleichwertige Seiten ein und desselben betrachten und behandeln.

Liebe Grüße
marimar
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